Das Rennsteig-Gedicht Victor von Scheffels (1863)

Scheffel 1867Da die Google-Suche ergab, daß Victor von Scheffels Rennsteig-Gedicht von 1863 nur ein einziges Mal vollständig im weltweiten Netz steht und der Rennsteigverein es offenbar nicht für nötig erachtet, diesen für die Geschichte der Rennsteigbewegung so bedeutsamen Text zu präsentieren, sei diesem Mißstand hier abgeholfen.

Bedeutsam sind die Verse des populären „vaterländischen Dichters“, weil sie es waren, die den thüringer Höhenpfad als Symbol sowohl deutscher Zerrissenheit wie Einigungssehnsucht im Bewußtsein der zusammenwachsenden Nation verankerten.

Scheffel verstand es, seinen Text mit jenen Ingredienzien zu würzen, die für die Schaffung des Rennsteig-“Mythos“ entscheidend waren: Heimatliebe, Geschichtsträchtigkeit, Naturromantik und das verbreitete Bedürfnis nach Zivilisationsflucht. Weiterlesen »

Endlich! – Hubertushaus Ascherbrück wieder eröffnet

Hubertushaus Ascherbrück wieder eröffnet!

Drei Jahre lang fehlte das Hubertushaus Ascherbrück den Rennsteigwanderern sehr, lag es doch strategisch perfekt als einzige sowohl Einkehr- als auch Übernachtungsstation ziemlich genau in der Mitte zwischen Hörschel und Großem Inselsberg. Die Schließung hatte zur Folge, daß in der letzten Auflage des Buches Alternativen aufgezeigt werden mußten. Diese sind jetzt hinfällig geworden – außer, das Hubertushaus ist belegt. Dann schauen Sie bei der entsprechenden Meldung unter Juni 2008 nach.

Generell gilt, daß man sich lange genug im Voraus um die entsprechenden Zimmerreservierungen bemühen muß, und zwar am besten monatelang vor Antritt der Wanderung! Insbesondere in der Hauptsaison….

Neue Sommerrodelbahn in Ruhla!

Am Start von Tour 4 am Miniaturenpark „mini-a-thür“ endet seit kurzem auch eine Sommerrodelbahn. Damit gibt es eine herrliche Gelegenheit, nach der Wanderung noch etwas zu entspannen – und einen Teil der Tour noch einmal aus der Ferne zu betrachten. Man wird am Ringberg hochgezogen und saust dann die 900-m-Strecke mit max. 40 km/h hinab.

Thüringer Bachwochen 3.-26. April 2009

Im Rahmen der Thüringer Bachwochen 2009 werden 33 Veranstaltungen zu erleben sein, unter anderem das belgische Ensemble Le Petite Bande unter der Leitung von Sigiswald Kuijken, die Berliner Barock Solisten mit Albrecht Mayer sowie Auftritte der Pianisten Martin Stadtfeld und Gabriela Montero. Zudem ist erstmals ein Schulprojekt mit dem Titel „generation bach @school“ geplant.

Wer den Musikgenuß mit einer Thüringerwald-Wanderung verbinden will, ist mit Eisenach am besten bedient (Tour 3). Daher hier der dortige Spielplan: Weiterlesen »

Geocaching am Rennsteig

Geocaching ist ein neuer, gerade für Wanderer idealer Outdoor-Sport, eine Art Schnitzeljagd per GPS-Daten:

Jemand versteckt ein Behältnis mit einigen Gegenständen darin (das ist der Cache, die „Schatztruhe“ sozusagen) und gibt die Geokoordinaten auf einer bestimmten Website bekannt. Andere navigieren mit Hilfe eines GPS-Gerätes zu dem Punkt, suchen das Versteck und entnehmen im Erfolgsfall einen Gegenstand und tun selber wieder einen in die Box. Es gibt verschiedene Varianten und unterschiedliche Schwierigkeitsgrade.

Foto: ein Micro-Cache, der in einer Baumhöhle versteckt war.

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Die Cacheserie Rennsteig

Im Jahre 2005 hat ein Geocacher über die gesamten 168 km des Rennsteigs neun Caches versteckt. In jedem Cache befindet sich eine Frage. Die Antworten auf alle 9 Fragen sind nötig, um den zehnten, den finalen Cache zu finden. Die meisten der Antworten findet man entlang des Weges, so man aufmerksam wandert.

Hier die einzelnen Caches:

„Thüringer Wandersmann“ August Trinius bei Projekt Gutenberg

Als „Thüringer Wandersmann“ wurde er bekannt, der Wanderschriftsteller August Trinius (1851-1919), dessen Buch „Der Rennstieg. Eine Wanderung von der Werra bis zur Saale“ ab 1890 den Ansturm des Bildungsbürgertums auf den Thüringer Höhenpfad auslöste.

„Und doch bietet der ganze Thüringer Wald nichts Eigenartigeres, Stimmungsvolleres und Erhabeneres als eine solche Wanderschaft den Rennstieg hin, über die Bergzinnen dieses echt deutschen Gebirges.
Wie befreit und wohlig athmet hier die Brust, hoch über dem Qualm und Staub der Städte, fern dem menschlichen Ringen um Raum, Licht und Lebensluft; wie weit schweift von hier droben das Auge in sonnige Fernen, auf duftumdämmerte Höhenzüge und fällt dann hinab zu still heraufgrüßenden Dörfern, tief eingeschachtelt zwischen Felswänden, silberglänzenden Bächen, Bergmatten und meilenweiten Wäldern. Wie überreich an Eindrücken und Ausblicken ist diese Bergwanderung! Fort und fort ziehen in buntestem Wechsel die köstlichsten Bilder an uns vorüber, hier nach Franken, dort nach Thüringen, und wenn uns dann wieder Tannendickicht aufnimmt, dann offenbart sich uns im feierlichen Rauschen des Waldes scheue Seele, der wie im Selbstgespräch über uns die Wipfel leise wiegt und neigt.“

Solcher Stil kam gut an in der guten alten Kaiser-Wilhelm-Zeit, und „Rennsteigvater“ Trinius versorgte seine ansehnliche Fangemeinde, zu der auch der Herzog von Sachsen-Coburg-Gotha gehörte, mit Wanderbüchern über die verschiedensten deutschen Gauen, wobei Thüringen stets den ersten Platz einnahm. Eine mehrbändige Serie seines „Thüringer Wanderbuchs“ erfreute sich großer Beliebtheit, die „Goethe-Stätten und andere Erinnerungen aus Thüringen“ lassen sich heute noch mit Gewinn lesen.

All diese Bücher sind heute nur noch antiquarisch oder über die Fernleihe der Bibliotheken erhältlich. Im „Projekt Gutenberg“ (Trinius-Seite) kann man immerhin den Sammelband „Wenn die Sonne sinkt“ mit Heimat- und Wandererzählungen nachlesen. Wer Freude an dem altertümlichen Stil hat und Landschaftsbeschreibungen goutiert, bei denen selten Trinius’ Lieblingsadjektiv „waldumrauscht“ fehlt, wird hier kostenlos auf seine Kosten kommen.

Meist wird kein bestimmter Ort genannt, sondern mit Hinweis auf ein „Bergdorf“ oder „Städtchen“ ein Irgendwo geschaffen, in welchem die kurzen Erzählungen angesiedelt sind. Zweimal wird aber doch ein konkreter Schauplatz genannt, der im vorliegenden Wanderführer berührt wird und sich so mit dem Abstand eines runden Jahrhunderts betrachten läßt:

Das Sommerheim eines fürstlichen Künstlers (Schloß Altenstein, Tour 5)

Rennstiegpoesie auf dem Thüringer Walde (allgemein zu Tour 1, Tour 2)

6 Rennsteig-Alternativrouten bei straßennahen Abschnitten

Daß v.a. in der Osthälfte des Rennsteigs zu viele Abschnitte straßennah verlaufen, hat lange verhindert, daß der thüringer Höhenweg das Gütesiegel "Qualitätsweg Wanderbares Deutschland" des Deutschen Wanderverbandes erhalten konnte. Nachdem dieses Manko im Laufe des Jahres 2007 durch die Anlage von sechs Alternativrouten behoben wurde, konnte das Gütesiegel nun verliehen werden.

Die sechs Alternativrouten von zwischen 0,5 km bis 8 km Länge sind insgesamt 23 km lang. Sie sind nicht nur an Stellen angelegt worden, an denen der Original-Rennsteig auf oder an befahrenen Straßen verläuft oder der Pfadanteil zu gering war, sondern auch dort, wo Aussichten fehlten. Der Wanderer entscheidet nun selbst, ob er auf dem historischen Rennsteig bleiben (weißes "R") oder aber die mit einem blauen "R"  markierten Alternativrouten nutzen will.

Rennsteig jetzt Qualitätswanderweg

Am kommenden Sonntag, 29. Juni 2008, wird der Rennsteig im Rahmen des Festaktes zum 125. Jahrestag des Deutschen Wanderverbands mit dem Gütesiegel "Qualitätsweg Wanderbares Deutschland" ausgezeichnet werden. Bislang war der älteste und längste deutsche Höhenwanderweg immer wieder an den strengen Kriterien für das Gütesiegel gescheitert, vor allem, weil in der Osthälfte zu viele Abschnitte straßennah verlaufen. Nun sind sechs alternative Routen angelegt worden, so daß der Rennsteig dem Kriterium gerecht wird, daß höchstens 10% der Gesamtstrecke eines Wanderweges neben Straßen verlaufen darf.

Weitere Kriterien des Deutschen Wanderverbands für sein Gütesiegel "Qualitätsweg Wanderbares Deutschland" sind u.a., daß mindestens 35% der Gesamtstrecke eines Qualitätswanderweges auf naturbelassenen Wegen verlaufen müssen,  daß er nur 5% schlecht begehbare Wege beinhalten darf sowie  Abwechslungsreichtum, Erlebnispotentiale und Einkehrmöglichkeiten bieten muß. Einzelheiten können dem Infoflyer entnommen werden.

Übernachtung auf dem Rennsteig (Stand: Mai 2009)

Mai 2009

Die unten genannte Änderung ist gegenstandslos geworden, da das Hubertushaus Ascherbrück vor kurzem neu eröffnet wurde! Dadurch ist es wieder möglich, daß man wie im Konzept des Buches eigentlich vorgesehen, keine einzige Nacht abseits des Rensteig übernachten muß.

Juni 2008

In der aktuellen Auflage wird auf eine wichtige Änderung hingewiesen:

Die Etappeneinteilung wurde im Buch ja so gewählt, dass man immer auf dem Rensteig übernachten kann und nicht in einen Talort absteigen muß. Das ist z.Zt. (2008) Ende 1. Tag resp. 7. Tag (Gegenrichtung ) nicht möglich, da das Hubertushaus Ascherbrück bis auf Weiteres geschlossen ist. Als Alternative gibt es zwei Möglichkeiten:

1) Abstieg nach Ruhla: 2 km hinter/vor Ascherbrück beim Ruhlaer Häuschen der Beschilderung hinab in den Ort folgen (2 km). Zimmervermittlung durch Tourist-Info Ruhla, Tel. 036929-89013, www.ruhla.de

2) Hotel Rennsteighof: 8 km hinter/vor Ascherbrück kurz hinter/vor dem Gerberstein (Stelle im Text beschrieben) vom Rennsteig zur 1 km entfernten Ruhlaer Skihütte/Hotel Rennsteighof gehen (Tel. 036929-6020, www.rennsteighof.de). Der 1./8. Tag wird dadurch deutlich länger (28 statt 19 km), der 2./7. Tag kürzer (18 statt 25 km) als bei der angegebenen Etappeneinteilung.

Generell gilt, daß man sich lange genug im Voraus um die entsprechenden Zimmerreservierungen bemühen muß, und zwar am besten monatelang vor Antritt der Wanderung! Insbesondere in der Hauptsaison….

19 – Die Schieferbrüche bei Lehesten

Zum „Schönwappenweg“ am Rennsteig

Lehesten war um 1900 die Schiefer-Hauptstadt des europäischen Festlandes. Größte Schieferplatte der Welt, Schiefergrube mit „Technischem Denkmal Historischer Schieferbergbau„, eine Galerie der schönsten Wappengrenzsteine am Rennsteig – ein fürwahr „steiniger Weg“ ist diese Wanderung, doch kommt auch der Wald nicht zu kurz und der Rundumblick von erhöhter Warte.

2 Einkehrmöglichkeiten unterwegs. Detaillierte Wegbeschreibung, Karte, Höhenprofil und Hintergrundinfos im Buch.

Fotos: Stefan Etzel.

Die Lehestener Schieferbrüche

»Blaues Gold«? Fällt einem bei Schiefer nicht eher das sprichwörtliche Grau ein? Das kann freilich in vielen Schattierungen zum Dunklen hin spielen – bis endlich ein Schimmer von Blau aufscheint: die edelste Sorte.

Nirgendwo sonst auf dem europäischen Kontinent ließ er sich besser abbauen als im Raum Lehesten. Entscheidend war, daß Ausrichtung des Lagerhorizonts sowie besonders dichte Verfaltung und Verschuppung des Gesteins »stimmten«, damit Schiefer überhaupt in Platten abgebaut werden konnte. Und das sollte er unbedingt, denn blauer Schiefer enthält besonders wenige Verunreinigungen und ist daher sehr witterungsbeständig, weswegen er sich hervorragend für Dach- und Wandverkleidungen eignet.

Blauschiefer in seiner reinsten, feinkörnigsten Form kennen alle, die das ABC noch auf Schiefertafeln geübt haben! Und diese Tafeln kamen meist aus dem hiesigen Raum, aus Ludwigstadt und Probstzella. Die Schulgründungswelle nach der Reformation hatte dieses Veredelungsgewerbe in Schwung gebracht, dessen Blütezeit dann mit der Einführung der allgemeinen Schulpflicht in Preußen (1717) begann. Ganz in der Nähe fand sich auch das Gegenstück zu dem harten Edelschiefer: Unreiner, abriebstarker Griffelschiefer (Tour 18).

1485 erstmals aktenkundig, wird doch schon mindestens seit dem 13. Jh. bei Lehesten Schiefer abgebaut. Wiener Hofburg, Würzburger Dom und viele andere Kirchen und Schlösser, Amts-, Bürger- und Bauernhäuser wurden mit dem dauerhaften und zugleich eleganten Lehestener Schiefer gedeckt, der gut und gerne seine 300 Jahre hält – einzig die durchrostenden Befestigungsnägel setzen seiner Lebenszeit Grenzen.

Den größten Aufschwung nahm der Schieferabbau, als um die Mitte des 19. Jahrhunderts das Eindecken von Gebäuden mit Stroh oder Schindeln aus Brandschutzgründen verboten wurde. In der Blütezeit des Lehestener Bergbaus um 1890 brachen rund 2000 Arbeiter in den rundum verstreuten Gruben das Schiefergestein, das gleich vor Ort in Platten gespalten und in passende Größen geschnitten bzw. gesägt wurde. Die Arbeitsverfahren werden bei der Führung durchs »Technische Denkmal« demonstriert (s. Hinweise am Beginn der Wanderung).

Während des Zweiten Weltkrieges waren in den Lehestener Brüchen unterirdische Produktionsstätten der Jenaer Schott-Werke (optisches Kriegsgerät) und der Peenemünder Raketenbauer untergebracht, in denen Arbeitssklaven aus der nahen KZ-Außenstelle »Laura« eingesetzt wurden. Der neuartige Raketenantrieb der V2 wurde vor einer Wand des Örtelsbruchs getestet.

Dachschiefer ist heute teurer denn je, da seine Herstellung außergewöhnlich arbeitsintensiv ist: Keine Maschine kann bisher menschliches Geschick und Augenmaß ersetzen, um Schiefer in Platten zu spalten; einzig der dafür notwendige Kraftaufwand ist heute mechanisiert. Jede einzelne Dachschindel enthält noch so viel menschliche Arbeit – und steht in Konkurrenz zum Kunstschiefer, dem mit dem edlen Blauton … –, daß ihn sich selbst in der näheren Umgebung kaum noch jemand leisten kann. Mitte der 1970er Jahre wurde daher in Lehesten der Tage-, Ende der 90er auch der Untertagebau eingestellt.