15 – Die Werraquelle am Eselsberg

Der Rennsteig bei Masserberg

Vom Höhenluftkurort Masserberg folgen wir zunächst dem Rennsteig (Foto: Rennsteigwarte) auf einem Abschnitt, wo er von besonders prächtigen barocken Wappengrenzsteinen gesäumt ist. Später kehren wir von einer der beiden Werraquellen auf einem Hangweg mit reizvollen Ausblicken nach Masserberg zurück.

3 Einkehrmöglichkeiten unterwegs. Detaillierte Wegbeschreibung, Karte, Höhenprofil und Hintergrundinfos im Buch.

Der Streit um die Werraquellen

Im Jahr 1897 wurde die Quelle der Werra, die sich später mit der Fulda zur Weser vereinigt, in Stein gefaßt und dem Quellwasser durch das Maul eines ehernen Löwenkopfes der Weg ans Tageslicht gebahnt. In der Festschrift zur feierlichen Einweihung hatte der Sprach- und Heimatforscher Dr. Ludwig Hertel, der Gründer des Rennsteigvereins, den Flußnamen – bei Tacitus um 100 n. Chr. Visurgis, in mittelalterlichen Urkunden Wisera (775), Wiseraha (933), Wirraha (1016) und schließlich Werra (1327) – nach den germanischen Lautverschiebungsgesetzen aus Wisos-aha, d. i. »Wiesenfluß« abgeleitet. Die spätere Aufspaltung in die Formen Weser und Werra als Namen für den ursprünglich als Einheit aufgefaßten Fluß erklärte Hertel damit, daß sich der niederdeutsche Sprachraum treuer an die altdeutsche Form Wisera gehalten habe, während in Thüringen durch bestimmte Lautwandlungen der Name Werra entstand.

Mit der Quellfassung von 1897 war freilich der Streit darüber, welches denn nun die »echte« Werraquelle sei, noch nicht ausgestanden. Wie Rhein und Main hat nämlich auch die Werra/Weser zwei Quellarme: Neben dem hier in Rede stehenden noch den 9 Gehkilometer weiter östlich, bei Siegmundsburg, entspringenden (Tour 16). Das Problem der beiden Werraquellen wurde 1648 erstmals dokumentiert und blieb bis heute umstritten. Bei der ersten Ausgabe der Meßtischblätter freilich, in den 1870er Jahren, wurde der am Eselsberg entspringende Wasserlauf mit Werra angegeben, der am Bleß dagegen mit Saar. Für diese Lösung sprach u. a. auch, daß dieser durch den schon lange so genannten Saargrund abfließt.

Mit dem Entscheid der Kartographen wollten sich freilich die Siegmundsburger Lokalpatrioten nicht zufriedengeben. Auch die Saarquelle wurde gefaßt (1910) und zum einzig wahren Ursprung der Werra/Weser erklärt. Die Fehde erhitzte tatsächlich noch bis 1926 die Gemüter, als die Saar-Quellfassung zerstört wurde, offenbar von Lokalpatrioten der Gegenpartei. Erst der Sozialismus hieb den Knoten durch: Per Ministerbescheid vom 22. 12. 1975 wurde die Werraquelle am Eselsberg als die geografisch gültige bestätigt, und die Siegmundsburger durften ihre nur noch Saarquelle nennen. Doch mit der politischen Wende brach der Konflikt erneut auf: 1991/92 wurde die Saarquelle neu gefaßt – und prompt mit dem Schild »Werraquelle« versehen!

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