Rennsteig jetzt Qualitätswanderweg

Am kommenden Sonntag, 29. Juni 2008, wird der Rennsteig im Rahmen des Festaktes zum 125. Jahrestag des Deutschen Wanderverbands mit dem Gütesiegel "Qualitätsweg Wanderbares Deutschland" ausgezeichnet werden. Bislang war der älteste und längste deutsche Höhenwanderweg immer wieder an den strengen Kriterien für das Gütesiegel gescheitert, vor allem, weil in der Osthälfte zu viele Abschnitte straßennah verlaufen. Nun sind sechs alternative Routen angelegt worden, so daß der Rennsteig dem Kriterium gerecht wird, daß höchstens 10% der Gesamtstrecke eines Wanderweges neben Straßen verlaufen darf.

Weitere Kriterien des Deutschen Wanderverbands für sein Gütesiegel "Qualitätsweg Wanderbares Deutschland" sind u.a., daß mindestens 35% der Gesamtstrecke eines Qualitätswanderweges auf naturbelassenen Wegen verlaufen müssen,  daß er nur 5% schlecht begehbare Wege beinhalten darf sowie  Abwechslungsreichtum, Erlebnispotentiale und Einkehrmöglichkeiten bieten muß. Einzelheiten können dem Infoflyer entnommen werden.

Übernachtung auf dem Rennsteig (Stand: September 2011)

Die Etappeneinteilung wurde im Buch so gewählt, dass man immer auf dem Rensteig übernachten kann und nicht in einen Talort absteigen muß. Selbstverständlich wurden für jede Etappe die entsprechenden Informationen angegeben.

Für Outdoorfreunde bieten darüber hinaus die über 80 Schutzhütten am Rennsteig die Möglichkeit, umsonst ein Dach über dem Schlafsack zu finden.

Ach ja, und dann gibt es am Ende der vorletzten (West-Ost-Richtung) resp. der ersten Etappe (Gegenrichtung) in Brennersgrün – neben den empfohlenen Ferienwohnungen – noch das „Kult“-Quartier Gasthaus „Zum Grünen Wald“. Ein Renner schrieb auf seiner Website:

Wenig später erreicht man Brennersgrün, Quartiermöglichkeit ist das Gasthaus „Zum Grünen Wald“. Eigentlich muss man es mitnehmen, es hat etwas Kultiges. Aber der erste Eindruck wird euch umhauen (Stand 2008 [Anmerkung: gilt auch 2011]). Wartet einfach auf den zweiten und ihr werdet angenehm überrascht sein.

Auf Nachfrage schrieb er mir: Das Essen sei prima gewesen, der Preis der günstigste auf dem ganzen Rennsteig, und als Fazit:

„Der richtige Rennsteigwanderer wird lächeln und das als „Abenteuer“
mitnehmen, es hat etwas „kultiges“, der „feine“ Urlauber hingegen wird
entsetzt sein.“

Es wäre schön, wenn weitere Erfahrungsberichte im Kommentarbereich dieses Blogs mitgeteilt würden….

19 – Die Schieferbrüche bei Lehesten

Zum „Schönwappenweg“ am Rennsteig

Lehesten war um 1900 die Schiefer-Hauptstadt des europäischen Festlandes. Größte Schieferplatte der Welt, Schiefergrube mit „Technischem Denkmal Historischer Schieferbergbau„, eine Galerie der schönsten Wappengrenzsteine am Rennsteig – ein fürwahr „steiniger Weg“ ist diese Wanderung, doch kommt auch der Wald nicht zu kurz und der Rundumblick von erhöhter Warte.

2 Einkehrmöglichkeiten unterwegs. Detaillierte Wegbeschreibung, Karte, Höhenprofil und Hintergrundinfos im Buch.

Fotos: Stefan Etzel.

Die Lehestener Schieferbrüche

»Blaues Gold«? Fällt einem bei Schiefer nicht eher das sprichwörtliche Grau ein? Das kann freilich in vielen Schattierungen zum Dunklen hin spielen – bis endlich ein Schimmer von Blau aufscheint: die edelste Sorte.

Nirgendwo sonst auf dem europäischen Kontinent ließ er sich besser abbauen als im Raum Lehesten. Entscheidend war, daß Ausrichtung des Lagerhorizonts sowie besonders dichte Verfaltung und Verschuppung des Gesteins »stimmten«, damit Schiefer überhaupt in Platten abgebaut werden konnte. Und das sollte er unbedingt, denn blauer Schiefer enthält besonders wenige Verunreinigungen und ist daher sehr witterungsbeständig, weswegen er sich hervorragend für Dach- und Wandverkleidungen eignet.

Blauschiefer in seiner reinsten, feinkörnigsten Form kennen alle, die das ABC noch auf Schiefertafeln geübt haben! Und diese Tafeln kamen meist aus dem hiesigen Raum, aus Ludwigstadt und Probstzella. Die Schulgründungswelle nach der Reformation hatte dieses Veredelungsgewerbe in Schwung gebracht, dessen Blütezeit dann mit der Einführung der allgemeinen Schulpflicht in Preußen (1717) begann. Ganz in der Nähe fand sich auch das Gegenstück zu dem harten Edelschiefer: Unreiner, abriebstarker Griffelschiefer (Tour 18).

1485 erstmals aktenkundig, wird doch schon mindestens seit dem 13. Jh. bei Lehesten Schiefer abgebaut. Wiener Hofburg, Würzburger Dom und viele andere Kirchen und Schlösser, Amts-, Bürger- und Bauernhäuser wurden mit dem dauerhaften und zugleich eleganten Lehestener Schiefer gedeckt, der gut und gerne seine 300 Jahre hält – einzig die durchrostenden Befestigungsnägel setzen seiner Lebenszeit Grenzen.

Den größten Aufschwung nahm der Schieferabbau, als um die Mitte des 19. Jahrhunderts das Eindecken von Gebäuden mit Stroh oder Schindeln aus Brandschutzgründen verboten wurde. In der Blütezeit des Lehestener Bergbaus um 1890 brachen rund 2000 Arbeiter in den rundum verstreuten Gruben das Schiefergestein, das gleich vor Ort in Platten gespalten und in passende Größen geschnitten bzw. gesägt wurde. Die Arbeitsverfahren werden bei der Führung durchs »Technische Denkmal« demonstriert (s. Hinweise am Beginn der Wanderung).

Während des Zweiten Weltkrieges waren in den Lehestener Brüchen unterirdische Produktionsstätten der Jenaer Schott-Werke (optisches Kriegsgerät) und der Peenemünder Raketenbauer untergebracht, in denen Arbeitssklaven aus der nahen KZ-Außenstelle »Laura« eingesetzt wurden. Der neuartige Raketenantrieb der V2 wurde vor einer Wand des Örtelsbruchs getestet.

Dachschiefer ist heute teurer denn je, da seine Herstellung außergewöhnlich arbeitsintensiv ist: Keine Maschine kann bisher menschliches Geschick und Augenmaß ersetzen, um Schiefer in Platten zu spalten; einzig der dafür notwendige Kraftaufwand ist heute mechanisiert. Jede einzelne Dachschindel enthält noch so viel menschliche Arbeit – und steht in Konkurrenz zum Kunstschiefer, dem mit dem edlen Blauton … –, daß ihn sich selbst in der näheren Umgebung kaum noch jemand leisten kann. Mitte der 1970er Jahre wurde daher in Lehesten der Tage-, Ende der 90er auch der Untertagebau eingestellt.

18 – Die Griffelbrüche bei Spechtsbrunn

Maloche am Rennsteig in alter Zeit

Das Schiefergebirge zog die Menschen einst nicht wegen seiner landschaftlichen Reize, sondern wegen der Erwerbschancen an. In der gewerbefleißigen Blütezeit dieser Gegend wurden hier am Rennsteig die Schiefergriffel hergestellt, mit denen frühere Generationen das ABC erlernten! Der hiesige Schiefer ließ sich nicht in haltbaren Platten abbauen wie der von Lehesten (Tour 19), von wo auch die Schiefertafeln früherer ABC-Schützen stammten. Man konnte das  Gestein hier am Rennsteig aber gut in Stäbchen spalten, die in den umliegenden Dörfern gerundet, geglättet und für den Export in alle Welt verpackt wurden.  Von oberhalb der Schieferbrüche bietet sich vom Trinius-Blick eine herrliche Aussicht über die bewaldeten Höhen des Frankenwaldes.

1 Einkehrmöglichkeit unterwegs. Detaillierte Wegbeschreibung, Karte, Höhenprofil und Hintergrundinfos im Buch.

Foto: Stefan Etzel.

16 – Ist’s die Werra, ist’s die Saar?

Die "andere" Werraquelle bei Siegmundsburg

Bei Tour 15 sind wir zur "eigentlichen" Werraquelle gewandert (dort auch Erläuterungen zum Quellstreit), heute schauen wir uns die andere an, die auch 25 m höher liegt, was bei dem Streit der Lokalpatrioten auch eine Rolle spielt.

2 Einkehrmöglichkeiten unterwegs. Detaillierte Wegbeschreibung, Karte, Höhenprofil und Hintergrundinfos im Buch .

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Die Saarquelle: Ein Beispiel für menschliche Unvernunft?

Unter Tour 15 wurde das Problem der beiden Werraquellen diskutiert und mit der landläufigen Meinung dahin entschieden, daß der hier in Rede stehenden Quelle bei Siegmundsburg der zweite Rang zukommt und daß sie besser als Saarquelle bezeichnet würde. Dennoch prangt an der neu gestalteten Quellfassung eine Tafel mit der Aufschrift: »Werraquelle 800 m ü. NN«. Echte Lokalpatrioten lassen sich eben auch durch Tatsachen nicht erschüttern.

Wirklich problematisch ist aber eigentlich nur die Frage, ob man Quellfassungen dieser Art heute noch als ökologisch sinnvoll betrachten kann. Die meisten Quellen des Thüringer Waldes und Schiefergebirges entspringen nämlich nicht punkt-, sondern fächerförmig, wobei einzelne Sickerquellen in Quellmulden zusammenfließen, aus denen wiederum Quellbäche entspringen, die dann zum eigentlichen Bergbach zusammenfliessen. Die Siegmundsburger Quellfassung erfaßt aber nur das Wasser eines Quellbachs (wie auch die andere Quelle, der aber die Gnade der frühen Geburt gewährt sei), außerdem wurde der junge Wasserlauf in eine ausgepflasterte Rinne gezwängt, so daß sich keine natürlichen Quellbewohner wie Lurche, Schnecken, Kröten oder Frösche mehr ansiedeln können. Dafür wurde an Autotouristen durch Anlage eines Rastplatzes um so mehr gedacht …

 

17 – Eine Perle des Schiefergebirges

Schwarza-Stausee bei Scheibe-Alsbach

Während wir dem Rennsteig ein Stück folgen, lernen wir etwas über das Thüringer Porzellan kennen. Später genießen wir den Blick auf den kleinen Stausee von Scheibe-Alsbach, an dem entlang wir dann gemächlich zum Ausgangspunkt zurückschlendern.

Foto: Mike Harding

Keine Einkehrmöglichkeit unterwegs, wohl aber am Ziel. Detaillierte Wegbeschreibung, Karte, Höhenprofil und Hintergrundinfos im Buch.

15 – Die Werraquelle am Eselsberg

Der Rennsteig bei Masserberg

Vom Höhenluftkurort Masserberg folgen wir zunächst dem Rennsteig (Foto: Rennsteigwarte) auf einem Abschnitt, wo er von besonders prächtigen barocken Wappengrenzsteinen gesäumt ist. Später kehren wir von einer der beiden Werraquellen auf einem Hangweg mit reizvollen Ausblicken nach Masserberg zurück.

3 Einkehrmöglichkeiten unterwegs. Detaillierte Wegbeschreibung, Karte, Höhenprofil und Hintergrundinfos im Buch.

Der Streit um die Werraquellen

Im Jahr 1897 wurde die Quelle der Werra, die sich später mit der Fulda zur Weser vereinigt, in Stein gefaßt und dem Quellwasser durch das Maul eines ehernen Löwenkopfes der Weg ans Tageslicht gebahnt. In der Festschrift zur feierlichen Einweihung hatte der Sprach- und Heimatforscher Dr. Ludwig Hertel, der Gründer des Rennsteigvereins, den Flußnamen – bei Tacitus um 100 n. Chr. Visurgis, in mittelalterlichen Urkunden Wisera (775), Wiseraha (933), Wirraha (1016) und schließlich Werra (1327) – nach den germanischen Lautverschiebungsgesetzen aus Wisos-aha, d. i. »Wiesenfluß« abgeleitet. Die spätere Aufspaltung in die Formen Weser und Werra als Namen für den ursprünglich als Einheit aufgefaßten Fluß erklärte Hertel damit, daß sich der niederdeutsche Sprachraum treuer an die altdeutsche Form Wisera gehalten habe, während in Thüringen durch bestimmte Lautwandlungen der Name Werra entstand.

Mit der Quellfassung von 1897 war freilich der Streit darüber, welches denn nun die »echte« Werraquelle sei, noch nicht ausgestanden. Wie Rhein und Main hat nämlich auch die Werra/Weser zwei Quellarme: Neben dem hier in Rede stehenden noch den 9 Gehkilometer weiter östlich, bei Siegmundsburg, entspringenden (Tour 16). Das Problem der beiden Werraquellen wurde 1648 erstmals dokumentiert und blieb bis heute umstritten. Bei der ersten Ausgabe der Meßtischblätter freilich, in den 1870er Jahren, wurde der am Eselsberg entspringende Wasserlauf mit Werra angegeben, der am Bleß dagegen mit Saar. Für diese Lösung sprach u. a. auch, daß dieser durch den schon lange so genannten Saargrund abfließt.

Mit dem Entscheid der Kartographen wollten sich freilich die Siegmundsburger Lokalpatrioten nicht zufriedengeben. Auch die Saarquelle wurde gefaßt (1910) und zum einzig wahren Ursprung der Werra/Weser erklärt. Die Fehde erhitzte tatsächlich noch bis 1926 die Gemüter, als die Saar-Quellfassung zerstört wurde, offenbar von Lokalpatrioten der Gegenpartei. Erst der Sozialismus hieb den Knoten durch: Per Ministerbescheid vom 22. 12. 1975 wurde die Werraquelle am Eselsberg als die geografisch gültige bestätigt, und die Siegmundsburger durften ihre nur noch Saarquelle nennen. Doch mit der politischen Wende brach der Konflikt erneut auf: 1991/92 wurde die Saarquelle neu gefaßt – und prompt mit dem Schild »Werraquelle« versehen!