10 – Rund um den Kanzlersgrund

Der Rennsteig bei Oberhof

Sprungschanzen, Bobbahn, Biathlonstadion, dafür ist Oberhof bekannt. Und diese Wintersportattraktionen sehen wir natürlich auch auf dieser Tour. Doch damit ist die Umgebung des einstigen Kuhdorfes, das zum Schickeria-Treff wurde längst nicht erschöpft. Imposante Felskanzeln, von denen man in tiefe Talgründe schaut, endlose Wälder, in denen sich Stauseen verbergen, gehören genauso zum Ambiente wie Berggipfel und Hochweiden, die einst neben der Holzwirtschaft die eigentliche Lebensgrundlage für die Menschen dieser entlegenen Gegend abgaben. Und natürlich ist da auch noch der Rennsteig, dem wir auch noch ein Stück weit folgen.

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Oberhof

Unweit der höchsten Gipfel des Thüringer Waldes bestand offenbar schon in der Eisenzeit, um 400 v. Chr., ein Gebirgsübergang, wie entsprechende Funde in der Nähe von Oberhof vermuten lassen. 1259 wird erstmals eine Handelsstraße urkundlich erwähnt, an der später ein Johanniterhospiz stand, der »Obere Hof«. Nach 1470 wurde er in einen Geleitshof umgewandelt, von wo aus »Geleitsknechte« die Fuhrleute begleiteten, um sie vor Überfällen zu schützen. Köhler und Waldarbeiter siedelten sich an, und 1616 kam ein herzogliches Jagdschloß dazu.

An Bedeutung gewann der einsame Weiler, als 1832 die Straße übers Rondell fertiggestellt war (Rennsteig-Tour 3. resp. 6. Tag). 50 Jahre später setzte ein phänomenaler Aufschwung ein, als das Gebirge hier 1884 vom Brandleitetunnel durchstochen wurde und Oberhof von einem Tag auf den anderen Bahnstation an der Strecke Berlin–Stuttgart wurde. Schon vier Jahre später zählte man über 1000 Gäste! »Wie ein Wunder kam es über das Holzhauerdorf«, schrieb August Trinius, »fast über Nacht erwachte es zu einer Sommerfrische ersten Ranges, ward es der erste Wintersportplatz Thüringens«. In fliegender Eile entstanden Hotels und Pensionen, eine »Bobsleigh-Bahn« war der letzte Schrei der High-Society in der temposüchtigen Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. 10.000 Erholungssuchende kamen damals schon jährlich ins »Thüringische St. Moritz«! Man »vermeint am grünen Strand der Spree dahin zu schreiten«, schrieb der Thüringer Wandersmann hierzu, »Autos surren und Mode und Flirt feiern ihre Festtage«. Der Arbeiter-und-Bauern-Staat entwickelte Oberhof zum Ferienort für jährlich 100.000 Werktätige – und zur Medaillenschmiede für die Wintersportkader. Glanzstück: Die Kunsteis-Bob- und -Rodelbahn; auch das in Gestalt zweier gegenläufiger Sprungschanzen erbaute Hotel »Panorama« direkt über der »Sprungschanzenschlucht« ist einen Blick wert.

Foto: Stefan Etzel

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Eine Antwort

  1. Man sollte nicht vergessen, dass Oberhof DIE deutsche Biathlon Hochburg ist. Spannende Wettkämpfe locken jedes Jahr zig-tausende an die Rennstrecken rund um den Grenzadler!

    lg

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