120 Jahre Rennsteig-Begeisterung

Vor 120 Jahren, pünktlich zur Wandersaison 1890, ist das Buch erschienen, das eine wahre Rennsteig-Begeisterung im Deutschen Reich auslöste:

August Trinius: Der Rennstieg. Eine Wanderung von der Werra bis zur Saale.

Man beachte das -stieg, eine von den Epigonen nicht übernommene südwestthüringische Form des Namens jenes Höhenpfades über den Thüringer Wald, der der bekannteste Wanderweg Deutschlands werden sollte. August Trinius war während des glücklichen Vierteljahrhunderts bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges der meistgelesene Wanderbuchautor im wilhelminischen Deutschland, der den Wandervögeln die landschaftlichen Schönheiten des Reiches bis hin zum Elsaß erschloß.

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Die Rennsteig-Ballade Victor von Scheffels (1863)

Scheffel 1867Da die Google-Suche ergab, daß Victor von Scheffels Rennsteig-Ballade von 1863 nur ein einziges Mal vollständig im weltweiten Netz steht und der Rennsteigverein es offenbar nicht für nötig erachtet, diesen für die Geschichte der Rennsteigbewegung so bedeutsamen Text zu präsentieren, sei diesem Mißstand hier abgeholfen.

Bedeutsam sind die Verse des populären „vaterländischen Dichters“, weil sie es waren, die den thüringer Höhenpfad als Symbol sowohl deutscher Zerrissenheit wie Einigungssehnsucht im Bewußtsein der zusammenwachsenden Nation verankerten.

Scheffel verstand es, seinen Text mit jenen Ingredienzien zu würzen, die für die Schaffung des Rennsteig-„Mythos“ entscheidend waren: Heimatliebe, Geschichtsträchtigkeit, Naturromantik und das verbreitete Bedürfnis nach Zivilisationsflucht. Weiterlesen

Endlich! – Hubertushaus Ascherbrück wieder eröffnet

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Hubertushaus Ascherbrück wieder eröffnet!

Drei Jahre lang fehlte das Hubertushaus Ascherbrück den Rennsteigwanderern sehr, lag es doch strategisch perfekt als einzige Übernachtungsstation ziemlich genau in der Mitte der 33 km zwischen Hörschel und Großem Inselsberg. Die Schließung hatte zur Folge, daß in der letzten Auflage des Buches Alternativen aufgezeigt werden mußten. Diese sind jetzt hinfällig geworden – außer, das Hubertushaus ist belegt. Dann schauen Sie bei der entsprechenden Meldung unter Juni 2008 nach.

Generell gilt, daß man sich lange genug im Voraus um die entsprechenden Zimmerreservierungen bemühen muß, und zwar am besten monatelang vor Antritt der Wanderung! Insbesondere in der Hauptsaison….

Neue Sommerrodelbahn in Ruhla!

Am Start von Tour 4 am Miniaturenpark „mini-a-thür“ endet seit kurzem auch eine Sommerrodelbahn. Damit gibt es eine herrliche Gelegenheit, nach der Wanderung noch etwas zu entspannen – und einen Teil der Tour noch einmal aus der Ferne zu betrachten. Man wird am Ringberg hochgezogen und saust dann die 900-m-Strecke mit max. 40 km/h hinab.

Thüringer Bachwochen 3.-26. April 2009

Im Rahmen der Thüringer Bachwochen 2009 werden 33 Veranstaltungen zu erleben sein, unter anderem das belgische Ensemble Le Petite Bande unter der Leitung von Sigiswald Kuijken, die Berliner Barock Solisten mit Albrecht Mayer sowie Auftritte der Pianisten Martin Stadtfeld und Gabriela Montero. Zudem ist erstmals ein Schulprojekt mit dem Titel „generation bach @school“ geplant.

Wer den Musikgenuß mit einer Thüringerwald-Wanderung verbinden will, ist mit Eisenach am besten bedient (Tour 3). Daher hier der dortige Spielplan: Weiterlesen

Geocaching am Rennsteig

Geocaching ist ein neuer, gerade für Wanderer idealer Outdoor-Sport, eine Art Schnitzeljagd per GPS-Daten:

Jemand versteckt ein Behältnis mit einigen Gegenständen darin (das ist der Cache, die „Schatztruhe“ sozusagen) und gibt die Geokoordinaten auf einer bestimmten Website bekannt. Andere navigieren mit Hilfe eines GPS-Gerätes zu dem Punkt, suchen das Versteck und entnehmen im Erfolgsfall einen Gegenstand und tun selber wieder einen in die Box. Es gibt verschiedene Varianten und unterschiedliche Schwierigkeitsgrade.

Foto: ein Micro-Cache, der in einer Baumhöhle versteckt war.

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Die Cacheserie Rennsteig

Im Jahre 2005 hat ein Geocacher über die gesamten 168 km des Rennsteigs neun Caches versteckt. In jedem Cache befindet sich eine Frage. Die Antworten auf alle 9 Fragen sind nötig, um den zehnten, den finalen Cache zu finden. Die meisten der Antworten findet man entlang des Weges, so man aufmerksam wandert.

Hier die einzelnen Caches:

„Thüringer Wandersmann“ August Trinius bei Projekt Gutenberg

Als „Thüringer Wandersmann“ wurde er bekannt, der Wanderschriftsteller August Trinius (1851-1919), dessen Buch „Der Rennstieg. Eine Wanderung von der Werra bis zur Saale“ ab 1890 den Ansturm des Bildungsbürgertums auf den Thüringer Höhenpfad auslöste.

„Und doch bietet der ganze Thüringer Wald nichts Eigenartigeres, Stimmungsvolleres und Erhabeneres als eine solche Wanderschaft den Rennstieg hin, über die Bergzinnen dieses echt deutschen Gebirges.
Wie befreit und wohlig athmet hier die Brust, hoch über dem Qualm und Staub der Städte, fern dem menschlichen Ringen um Raum, Licht und Lebensluft; wie weit schweift von hier droben das Auge in sonnige Fernen, auf duftumdämmerte Höhenzüge und fällt dann hinab zu still heraufgrüßenden Dörfern, tief eingeschachtelt zwischen Felswänden, silberglänzenden Bächen, Bergmatten und meilenweiten Wäldern. Wie überreich an Eindrücken und Ausblicken ist diese Bergwanderung! Fort und fort ziehen in buntestem Wechsel die köstlichsten Bilder an uns vorüber, hier nach Franken, dort nach Thüringen, und wenn uns dann wieder Tannendickicht aufnimmt, dann offenbart sich uns im feierlichen Rauschen des Waldes scheue Seele, der wie im Selbstgespräch über uns die Wipfel leise wiegt und neigt.“

Solcher Stil kam gut an in der guten alten Kaiser-Wilhelm-Zeit, und „Rennsteigvater“ Trinius versorgte seine ansehnliche Fangemeinde, zu der auch der Herzog von Sachsen-Coburg-Gotha gehörte, mit Wanderbüchern über die verschiedensten deutschen Gauen, wobei Thüringen stets den ersten Platz einnahm. Eine mehrbändige Serie seines „Thüringer Wanderbuchs“ erfreute sich großer Beliebtheit, die „Goethe-Stätten und andere Erinnerungen aus Thüringen“ lassen sich heute noch mit Gewinn lesen.

All diese Bücher sind heute nur noch antiquarisch oder über die Fernleihe der Bibliotheken erhältlich. Im „Projekt Gutenberg“ (Trinius-Seite) kann man immerhin den Sammelband „Wenn die Sonne sinkt“ mit Heimat- und Wandererzählungen nachlesen. Wer Freude an dem altertümlichen Stil hat und Landschaftsbeschreibungen goutiert, bei denen selten Trinius‘ Lieblingsadjektiv „waldumrauscht“ fehlt, wird hier kostenlos auf seine Kosten kommen.

Meist wird kein bestimmter Ort genannt, sondern mit Hinweis auf ein „Bergdorf“ oder „Städtchen“ ein Irgendwo geschaffen, in welchem die kurzen Erzählungen angesiedelt sind. Zweimal wird aber doch ein konkreter Schauplatz genannt, der im vorliegenden Wanderführer berührt wird und sich so mit dem Abstand eines runden Jahrhunderts betrachten läßt:

Das Sommerheim eines fürstlichen Künstlers (Schloß Altenstein, Tour 5)

Rennstiegpoesie auf dem Thüringer Walde (allgemein zu Tour 1, Tour 2)